Samstag

Christmas Bash

Es gab so eine Art Kettenmail bei facebook, die sagte: nimm das Buch, dass gerade zufällig neben dir liegt, schlag Seite 56 auf und poste den 5. Satz. Mit ein wenig delay der Weihnachtspost, der für die Feiertage reichen muss. Es ist sehr viel zu lesen. Zitate entnommen aus diesen Büchern.




Die Wahrheit: Wenn sie an die Hände eines Mannes auf ihrem Körper denkt … sind das nicht Thorins, das steht verdammt fest.
Es gibt Engel, aber ich glaube nicht, dass dieser Mann mit ihnen gesprochen hat.

Their dress was very smart, their manners very civil, they were delighted with the house and in raptures with the furniture, and they happen to be so dotingly fond of children that Lady Middleton's good opinion was engaged in their favour before they had been an hour at the Park.
„Warum klopfen wir nicht einfach an die Tür und fragen?“
Sie weiß das schon vom ersten Tag an, trotzdem schaut sie immer wieder hinaus.
Cook until the lentils are tender, about 30 minutes.
Contrary to popular belif, they do not need to be milked – ever.
- Nous n'osons pas t'attendre.Suis-nous, Baloo. Il nous faut filter d'un pied leste... Kaa et moi.
„Das ist doch kein Mann!“
Jetzt rufen sie die Maschine nach Frankfurt aus, die grünen Lämpchen an der Anzeigentafel, die ich schon als Kind sehr bewundert habe, blinken auf, und ich blinke wie damals, wie jedesmal, mit den Augen im Takt mit: Links, rechts, links, rechts.
Würden wir uns nicht vorkommen wie ein kolonisiertes Volk?
La nuit, des musiques me reviennent comme des aveux.
The sight of a mannequin precariously hopping across a fashion salon always inspires ill-concealed smiles, so just imagine the titters of your friends as they watch you move about their living romms with cautious, mincing steps.
Oben auf der Howth-Tram allein, dem Regen zuschreiend: nackte Weiber! Was ist denn damit, he?
Sie gab uns das Gefühl, einmalig und einzigartig zu sein, und die Idee, andere Kinder um ihre behütenden, flüsternden Mütter zu beneiden, kam mir nie.
Ich konnte zu meiner Zeit beobachten, wie viele Menschen diese Neunmalklugen um ihren Ruf beneiden und hierbei übersehn, daß man, hat man ihn ersteinmal, nichts mehr davon hat.
O, wie alles ins Dunkle hinsinkt; / Die gestrengen Zimmer und das alte Gerät / Der Väter.
Meine Tante ergab sich darein, daß sie während unserer Anwesenheit etwas mehr auf ihre Hilfe verzichten mußte, da sie wußte, wie sehr meine Mutter die Handreichungen dieser so einsichtsvolln und tätigen Dienerin schätzte, die ebenso schön aussah, wenn sie schon früh um fünf in ihrer Küche stand mit der Haube, deren schimmernde, steife Fältelung wie aus Biskuit gemacht wirkte, als wenn sie Sonntags zum Hochamt ging.
What is it?
„Ist sie nicht um dich ergraut?“
Lady Chiltren [Gently.] A secret? Between whom?
„Where are you going?“
Something inside me went ping! and there I was, suddenly smack-dab in the middle of my own coup de foudre, just like the brother and the sister falling for each other in The Royal Tenenbaums.
With that, he put the phone down.
Wie, Cassio, konntest du dich so vergessen?
Der Händler weinte beinahe: seine Hengste galoppierten aus der Stadt und liefen auf dem freien Feld umher; niemand fasste sich ein Herz, sich ihnen zu nähern, niemand wusste, wie sie zu fangen wären.
Die Erde ist hart, nach Bitterem / schmeckt die Luft.
Er war ein über vierzig Jahre altes Kind, das nie seinen Babyspeck abgelegt hatte, obwohl es einem begabten Schneider fast gelungen war, seinen fetten, zum Versohlen einladenden Hintern zu kaschieren.







Bild via kingdomofstyle.co.uk; princess-coke.tumblr.com
Zitate: Stephen King – Der Dunkle Turm Graphic Novel; Oscar Wilde – Salome; Jane Austen – The Complete Novels; Ron Koertge – Ein viel zu schönes Mädchen; Thomas Bernhard – Die Romane; Rory Freedman&Kim Barnouin – Skinny Bitch in the Kitch; Rory Freedman&Kim Barnouin – Skinny Bitch; Rudyard Kipling – le livre de la jungle; Truman Capote – Gesammelte Erzählungen; Christian Kracht – Faserland; Steffen Möller – Viva Polonia; Denise Desautels – un livre de kafka à la main; Genevieve Antoine Dariaux – A Guide to Elegance; James Joyce – Ulysses; Andreas Steinhöfel – Die Mitte der Welt; Michel de Montaigne – Essais I; Georg Trakl – Gedichte; Proust – Combray; Vladimir Nabokov – Lolita; Lou Andreas-Salomé – Lebensrückblick; Oscar Wilde – An Ideal Husband; Jeffery Eugenides – Middlesex; Plum Sykes – Bergdorf Blondes; Plum Sykes – the Debuntante Devorcée; W. Shakespeare's dramatische Werke, fünfter Band; Reclam Russische Volksmärchen; Georg Trakl – Fünfzig Gedichte; Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

Sonntag

7 Tage Blitzlichter


I
Herr Habermas - wenn sie die Moraltheorie wieder gerne näher an die Wissenschaftlichkeit heranrücken wollen, warum können sie dann nicht bei Begriffen bleiben? Es ist der Klarheit wenig förderlich, alle paar Sätze das Gemeinte mit einem neuen Fremdwort zu bedenken. Hochachtungsvoll.

II
Hype = Berlin Calling. Unhype= das ist so ein Film, den man nur richtig gut finden kann, wenn man die Szene kennt, in der er spielt. Für alle anderen Zuschauer erscheint er eher - Obacht, ein ganzes englisches Wort, nicht nur ein popeliger Anglizismus - random. Aber die Musik, Leute, die Musik....

III
Hier ein Link zu einem Video-Kommentar zu Lady Gaga, der leider genau so ist, wie er nicht sein will: so wie alle anderen Kommentare zu Lady Gaga.

IV
Weil wir gerade bei Musik und Lady Gaga sind: schneller als die Flut der "The"-Bands mit dieser Musik, die wir alle kennen, scheint sich das Phänomen "Mainstreamisierung elektronischer Tanzmusik" abzustumpfen. Nach dem Durchspühlen des MGMT-Sounds ist der vorläufige Höhepunkt und damit Anfang vom Ende: Lady Gaga, klar. Und jetzt kommt Kesha, die überhaupt nichts Eigenes mehr zu bieten hat, sondern nur die Summe von Allem ist, was in den letzten zwei Jahren kurzzeitig "in" war. Peinlicherweise klingt die erste Single nicht nur ein bißchen wie Uffie, sondern so als wäre es Uffie an einem schlechten Tag. Und auch der Rest von Kesha ist wie Resteessen. Tragen wir die Bewegung "elektronischer Pop" zu Grabe und hören dabei computererzeugte Musik von vor zehn Jahren, als Computer irgendwie noch etwas mechanisches an sich hatten...

V
Meinungsbloggerei, wie ich es tue, schließt Gefühle nicht aus. Aber um etwas über meine Gemütsverfassung zu erfahren, müsste man wahrscheinlich schon einen Rorschachtest auf diesen Blog anwenden. Zum Glück gibt es millionen anderer Blogger, die ihre Gefühle jeden Tag für uns in den Äther schießen, damit wir uns mit unseren Gefühlen nicht so alleine fühlen (viel Fühlen, heute). Und zum noch größeren Glück gibt es Menschen, die diese Gefühle katalogisieren. WefeelFine heißt die Website, auf der man sich in Ruhe umsehen kann, wenn man mal nicht weiß, wie man sich gerade fühlen soll. Oder gerne wissen möchte, wie sich die anderen denn so fühlen - oder ob die sich so fühlen wie man selbst. So ein Gefühlsvorhaben könnte allerdings leicht zum zeitaufwändigen Akt werden, denn die Gefühlsdatenbank ist riesig. Vermutlich aber nicht halb so riesig wie das menschliche Gefühlsspektrum, aber das wird sicherlich noch. Trotz ironischer Tendenzen in diesem Post empfehle ich die Seite sehr.


Bild via princess-coke.tumblr.com

Empfehlung

Philipp Sarasin - Darwin und Foucault. Genealogie und Geschichte im Zeitalter der Biologie

Thesenpapier:
1. Darwins Schriften (und deren Rezeption) zeigen ungewollt auf, dass Sprache wenig gut geeignet ist, Natur, wie sie ist, zu beschreiben bzw. darzustellen; sondern dazu tendiert, eigene Tatsachen zu schaffen. Der so wahrgenommene Spalt zwischen Kultur (inkl. Sprache) und Natur tut sich mit jeder Beschreibung und Metapher weiter auf, bis der Mensch sich gedanklich komplett von der Natur abgelöst hat (siehe dazu: J. Butler). Foucault hat, u.a. beeinflusst durch Darwin, an der Schließung dieser Aufspaltung gearbeitet.
2. Die Reihenbildung bei Darwin (Evolutionstheorie) und Foucault (Diskursanalyse) ergibt sich aus der Notwendigkeit, eine Methode zu finden, trotz und wegen der Diskontinuität der Welt (als Alles betreffende) Vorgänge beschreiben zu können. Der Vorteil der Reihenbildung als Methode ist, dass die Reihen konkret und Einzelfallbetrachtungen bleiben müssen, also keine Abstraktion zu einem weltumfassenden System zulassen - das dem Wesen der Welt (jetzt wirds meinerseits arg metaphysisch) ganz klar nicht entsprechen würde. Die Reihen können jedoch untereinander lose durch Dependenzen verknüpft sein.
3. Natur und Kultur sind untrennbar und beeinflussen sich gegenseitig.
Kommentar:
Philipp Sarasin stellt langatmig aber unterhaltsam und lehrreich eine Geistesverwandtschaft zwischen Darwins und Foucaults Theorien her. Dabei liest und interpretiert Sarasin Darwin sehr genau und hellsichtig, und räumt dabei einige gängige Missverständnisse aus dem Weg. Die Ausführungen über Foucault (besonders die Auswahl der Themen) bleiben leider manchmal etwas unklar. Einen grundlegenden Einblick in beider Theorien bietet das Buch trotzdem und ist allein deswegen lesenswert. Die Rezensenten beim Perlentaucher sind da geteilter Meinung, und ehrlicherweise schlagen auch in meiner Brust zwei Herzen. Denn trotz des womöglich gewagten Zusammenwerfens von Darwin und Foucault kommt Sarasin am Ende zu keiner These mit "Sprengkraft" (wie es in der Süddeutschen so schön hieß), außer eben: dass Darwin und Foucault ähnliche bis gleiche Denkansätze gehabt haben.
Meine Lesempfehlung: Am Stück weglesen, sonst kommt man besonders am Ende leicht raus. Aber immerhin: Lesen!

Bild via: booooooom.com

wo ist der Lichtschalter?

I
Der Schreibtisch von Christian Kracht (abgebildet in der ZEITLiteratur-Beilage) sieht nach Kolonial-Herr aus. (Und auf diesem Blog gibt es noch kein Label für Christian Kracht. Crazy!). Und der Text, den er für die Beilage geschrieben hat... Hmhm. Wir haben letztens festgestellt: aneinandergereihte Assoziationen bringen es nicht immer.

II
Es gibt einen neuen Header. Gut? Ich find ihn ganz passend. Errät jemand, welches Buch zu sehen ist?

III
rabentiefschwarz hat einen (anonymen) regelmäßigen Leser. Meilenstein. Jei!

IV
Eigentlich auf der Suche nach einem Link zur Literaturbeilage, bin ich auf der ZEITHomepage auf diesen Artikel gestoßen. Thema: Immer mehr Neupublikationen wählen die Provinz als Schauplatz. Das erinnerte an etwas, und tatsächlich hat die Redaktion der BellaTriste schon in der Frühjahrs-Ausgabe 2009 darauf aufmerksam gemacht: "Die ländliche Peripherie [ist] ein zulässiges Sujet für Neuveröffentlichungen". Inge Kutter präzisiert im Onlineartikel: "Tatsächlich bilden die Eigenarten der Provinz einen Nährboden, auf dem Geschichten besonders gut gedeihen. Hier gibt es noch Traditionen, die Beziehungen sind enger, die Strukturen verkrusteter." Inzwischen scheint das Ländliche nicht nur zulässig und ergiebig, sondern allgegenwärtig. Das Thema aber nur auf die Auseinandersetzung mit Veraltetem zu begrenzen, ist zu wenig. Es lässt sich eher ein Trend zu kleinen Räumen konstatieren, in denen zwischen Wenigen etwas austariert wird. Irgendwo um den diesjährigen Openmike-Wettbewerb herum wurde der jungen Literatur zu wenig "Welthaltigkeit" vorgeworfen. Abgesehen davon, dass das so ein Wort ist wie "Performativität" (ein schreckliches) - wie genau soll so eine Welthaltigkeit aussehen? Die Welt ist in letzter Zeit sehr groß geworden und sehr unüberschaubar, und junge Autoren sind jung - unter solchen Bedingungen ist es weder erstaunlich noch großartig kritisierbar, dass sie das nahe Umfeld als Kontrastmittel und Verhandlunsgplatz für Problematiken heranziehen, und nicht die sehr indifferente Welt. Es ist kein Wunder, dass viele Texte in der neuen BellaTriste zwar die Heimat/die Provinz nicht mehr als direktes Thema haben - we move on -, sie als Schauplatz aber noch sehr gegenwärtig ist.


Bild: http://www.arrakeen.ch/lizarbsp-Dateien/image053.jpg
Zitate: BellaTriste Nr. 23, S. 2; http://www.zeit.de/kultur/literatur/2009-11/literatur-provinz?page=2

R.I.P.


Daul Kim ist tot. Jetzt ist eine Lücke in der Welt. Ihr Blog Iliketoforkmyself hat einen besonderen, tieftraurigen, wunderschönen Menschen gezeigt. Daul Kim war Model, Malerin und, in meinen Augen, auch Poetin und ist nur 20 Jahre alt geworden.


Bildquelle: http://vipgirlstyle.files.wordpress.com/2009/01/daulkimbw1.jpg

7 Tage Glühlampen

I
Es ist deprimierend, aber es gibt nichts zu sagen. Außer:
Man kann sehr viel Zeit mit Nichtstun und Youtube vergeuden. Und: Es müssen noch so viele Bücher gelesen werden. Der Stapel wächst. Allein letzte Woche sind "Kleine Prosa" (Camus), "Anna Karenina" (Tolstoi), "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" (Benjamin) und "Lolita" (Nabokov) dazugekommen. Lolita kenne ich in- und auswendig, aber wie "Middlesex" (und einige andere ausschließlich amerikanische Romane) muss ich es immer wieder lesen.

II
Montaigne. Muss man nicht am Stück lesen, keine Angst. Ist aufschlussreich. Witzig. Auf nette Art selbstverliebt. Ab und zu modern in seinen Gedanken. Auf jeden Fall erste Wahl der "Man sollte immer ein Buch dabeihaben, es könnte ja langweilig werden"-Regel.

III
Erst auf Facebook, jetzt für Alle: der Popkulturkalender von Merlin Schumacher - der vom Pensum der Wissensgenerierung her auf gutem Wege zu Größen des Kumulus wie Dath oder Holbein ist.


Bildquelle

7 Tage Blitzlichter


I
Stefan Mesch schreibt u.a für ZEITOnline - zum Beispiel das hier. Thema ist TvTropes, eine Plattform und Pool für intertextuelle Verweise und/oder Phänomene in der Popkultur. Sehr unübersichtlich (nicht der Artikel), sehr toll.

II
In "Film und Fankulturen" von Lothar Mikos taucht Vergnügen als Praxis der populären Kultur auf. Das unterstützt ganz fabelhaft meinen kleinen Ausbruch von letzter Woche. Bei allem wissenschaftlichen und diskursiven Gerede über kulturelle Produkte werden Gefühl und Geschmack oft ausgeklammert. Schade. Danke also an Lothar Mikos.
Der Essay ist in diesem Buch zu finden.


Ich weiß nicht mehr, woher genau ich das Bild habe, aber ich glaube von knighttcat.com oder itsherfactory.tumblr.com.

Empfehlung


Benjamin

Ich möchte kein bestimmtes Buch von Benjamin empfehlen. Benjamin ist Chinese und Mangazeichner. Manga hat mit 2 Ausnahmen (Benjamin und "Vagabond" von Inoue Takehiko) schon seit mehreren Jahren keinen Platz mehr in meinem Leben. Aber Benjamin ist so weit entfernt von Logik und Rationalität und Selbstbegründung und Selbstentschuldigung, dass er mich immer wieder mit voller Breitseite trifft. Benjamin ist Chaos und überdosierte Empfindsamkeit in der viel zu geordneten Welt. Deswegen treffen bestimmt nicht nur bei mir seine Geschichten und Essays ins Schwarze.
Ich würde seine Zeichnungen auch als Kunst bezeichnen, nicht nur als Erzählhandwerk, also ist Benjamin gleich doppelt gut.
In Deutschland erscheinen Benjamins Werke bei Tokyopop.


Bildquelle: http://www.comic-salon.de/2008/fotos/Benjamin_175TeQuitterTokyopop.jpg

Empfehlung


Ein viel zu schönes Mädchen - Ron Koertge

"Margaux with an x" heißt das Original und dieses (Jugend)Buch von Ron Koertge ist das bisher einzige, bei dem ich den deutschen Titel passender finde als den originalen.
Margaux ist zu schön und Danny zu verletzt. Das macht Danny schön und Margaux verletzt. Deswegen finden sie sich in einer Teenager-Welt, in der sie sich beide nicht zurecht finden.
Dies ist keine Liebesgeschichte. Das ist eine Geschichte über Dinge, die man wirklich will, und Wahrhaftgkeit. Und nicht im mindesten so kitschig wie mein Loblied. Dies ist ein Buch, dass ich Liebslingsbuch nennen kann.


Bild via theselby.com

Magazin Watch

Die neue Qvest No. 39 ist da und ich bin beruhigt. Die Bilder waren gut, die Artikel interessant, hier und da ein bißchen Polemik - und ein Interview, das man gut als Lehrstück für Unternehmenssprecher nutzen könnte. Unter dem Titel "Zeit für Träume" ist besagtes Interview mit Ann-Sofie Johannsson, der Kreativdirektorin bei H&M, abgedruckt.
Aalglatter geht es wohl kaum. Wenig subtil kamen die Spitzen des Qvest-Interviewers (z.B. der Vorwurf der "echten" Designer, H&M würde direkt vom Laufsteg kopieren), aber Frau Johannssons Art scheint so gallertartig, dass der Speer voll durchgeht und nicht mal ein Loch hinterlässt, sodass der Angriff am Ende aussieht, als hätte die Qvest nur eine Vorlage zum Lob geliefert. Klasse!
Weniger poliert und ehrlicher kommt Rebecca Bay (Kreativdirektorin bei COS) daher, deren Interview im Qvest-Internetauftritt zu finden ist.

Bild via imageshack.com

Montag

7 Tage Blindgänger

I
Leider bin ich diese Woche fast untergegangen und habe deswegen kaum etwas gelesen als meine Notizen und den "Hamlet".

II
Sprache ist doch nicht nur Bedeutung!
Auftakt. Was muss man von Georg Trakl halten? Tiefsinnig oder bloße Wortspielerei? Jane Austen - seicht, eskapistisch?
Jeder hört etwas anderes, aber viele hören zu wenig. Wozu brauche ich Bedeutung, wenn ich Klang habe? Zählt Ästhetik nur durch Sinn? Muss immer alles eine Botschaft transportieren? Wenn alles immer aufgeladen sein muss mit Etwas, wird es dich nie berühren, weil dein Etwas etwas anderes ist.
Ich höre. Ich höre Sprache, ich höre die Silben in ihrem semiotischen System, ich höre, was gesagt wird, ich höre die Konnotation.
Und dann höre ich, viel weiter unten, meine Assoziation. Ich höre, wie mich Worte berühren wie Finger, und ich vibriere.
Worte berühren mich wie Finger, nicht, weil sie bedeuten. Sondern weil sie klingen.
Ich sitze und freue mich über "eigenartig", "eigen" und "Art", wie schön und wie alt, so ein Wort aus zwei Worten, und wie einfach den Bedeutungswandel zu sehen, wenn man es zerlegt. Meine Zeitmaschine.
Ich sitze und lasse mich berieseln mit Klängen, mit Worten. Ganz seicht, ganz bedeutungslos und ganz pathetisch, einfach, weil es klingt. Ich schreibe "miel et noche" weil es klingt und ich lese Trakl und Austen, weil es klingt und weil es große, brustsprengende Bilder erzeugt.
Sprache ist nicht fuktional. Ich bade in Worten.
Wutausbruch für das, was mich konstituiert.

Bild via www.joshspear.com

Sonntag

7 Tage Blitzlichter


I
Fallie/Tuuli
erinnert mich an „Bestattung eines Hundes“ von Thomas Pletzinger. Wegen Tuuli. Und der komischen Weltuntergangsstimmung, oder wenigstens Zeiten-ändern-sich-radikal-Stimmung, die auch bei „Räuberhände“ war. Alles ändert sich immer. Nichts bleibt.

II
Nochmal zu den Brigitte-Models: eine Dozentin hat letztens in einem Vortrag angemerkt, dass die Entscheidung, keine professionellen Models sondern "normale Frauen" einzusetzen, möglicherweise auch nur eine getarnte Sparmaßnahme ist. Das wäre hart.

III
Und noch ein nochmal: bestem Confirmation-Wort bei Facebook begegnet: "warped pic". Erste Assoziation: Warp-Antrieb... ich Popkulturopfer. Der Generator muss Sci-Fi-Fan sein.

IV

There is a pleasure

in the pathless woods;

there is a rapture

on the lonely shore;

there is society,

where none intrudes,

by the deep sea, and music in its roar:

I love not man the less,

but nature more


via childhoodflames


Bild via www.itsherfactory.tumblr.com

Empfehlung


Thomas Bernhard - Amras

Genau drei Bücher und einen Aufsatz habe ich von Thomas Bernhard gelesen, darunter "Amras". Deswegen will ich mich literaturtheoretisch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
Viele finden Bernhard schwierig zu lesen - und einer meinte, "Amras" wäre ganz schwierig, weil es ein Frühwerk ist. Ich hatte beim Lesen genau den gegenteiligen Eindruck. "Amras" ist erstens sehr kurz und sprachlich weit weniger "anstrengend" als zum Beispiel "Holzfällen". Und die Geschichte bewegt sich weniger spiralig und mehr schnell als in den anderen beiden Büchern, die ich kenne. Trotzdem ist thematisch und sprachlich schon alles typisch Bernhardsche in "Amras" angelegt.
Für ein wenig verängstigte aber neugierige Menschen ist der anfängliche Bernhard als Anfang wirklich gut.


Bildquelle: http://lh3.ggpht.com/_VcjRZXVnMRM/SdkLi40eMxI/AAAAAAAAAdA/0uXnv_Aj4g8/s400/DSC04168.JPG

7 Tage Blitzlichter

I
Marcel Reich-Ranicki war wieder unterwegs um seinen Unmut kund zutun. Diesmal wurde er auf Deutschlandradio Kultur erwischt, wo er wenig schöne Worte für die "moderne" Literatur fand, also die Literatur der, sagen wir, letzten zehn bis zwanzig Jahre. Leider habe ich das Zitat nicht gefunden aber man kann das Pferd ja immer auch gut von hinten aufzäumen:

> Zu fragen wäre somit, welcher „Mehrwert“ sich denn noch anstreben lässt, wenn Belehrung und Aufklärung, Agitation und Information kaum in Betracht kommen, ja in literarischen Kunstwerken zu anachronistischen Elementen geworden sind. Die Literatur versucht zu entdecken und zu formulieren, was wir gespürt oder geahnt haben, aber eben bloß gespürt oder vielleicht bloß geahnt. Nur dann beweist sie ihre Daseinsberechtigung, wenn sie imstande ist, den Lesern bewusst zu machen, was ihnen bisher nicht bewusst war und was sich - das ist das Entscheidende - mit anderen Mitteln nicht bewusst machen lässt. < - Quelle

Offensichtlich sieht Reich-Ranicki diesen Mehrwert nicht mehr in der jüngsten Literatur. Da muss man natürlich erst einmal laut QUATSCH schreien - sich dann aber hinsetzen und genau überlegen. Was nimmt man denn mit aus einem Buch wie "Paradiso" oder "Die Anstalt der besseren Mädchen"? Die Frage will ich gar nicht beantworten müssen. Sicherlich trifft Reich-Ranickis Anklage auf Relevanzverlust auf einen Teil der jüngsten Literatur zu. Nur: Relevanz kommt mit den Jahren und lässt sich nicht sofort nach der Erscheinung eines Buches bestimmen. Und neben allen Manns und Musils liegen tausende von Büchern für immer im Grab der Nichtrelevanz. Das Mehrwertproblem ist also gar keines der jüngsten Literatur, sondern bloß ein aufgewärmtes altes. Oder das eines Mannes, der mit den Mehrwert-Themen der jungen Literatur nichts mehr anfangen kann.


II
> Und dann denke ich an die alte Geschichte von Marcuse, der vor ungefähr dreißig Jahren mal gesagt hat: Im Grunde wären Glück und ein angenehmes Leben undezent. < Ein typischer Karl Lagerfeld in "Karl Lagerfeld is never happy anyway" von Gero von Boehm


III
Entschuldigung, ich bin ZEIT-Leser. Im Feuilleton gab es diese Woche einen Artikel zu den sozialen Gesetzen von Facebook. Kernthese: "Wer schweigt, zählt nicht." Da stimme ich zu. Generell fand ich den Artikel gut, es stand aber nichts drin was man sich als Social-Media-Nutzer nicht schon selbst mal gedacht hätte. Nett aber hinkend war der Vergleich vom Zwang des "Schneller-Besser-Witziger" auf Facebook zur höfischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, die unter dem selben Druck stand. Wenn man Facebook nur zum Aufrechterhalten von Kontakten nutzt und nicht, um sich zu profilieren, droht einem nicht der Abstieg eines Höflings am Versailler Hof, ergo Ausschluss von Facebook. Internet ist noch nicht Gesellschaft.


IV
Und jetzt: Wer denkt sich diese Verifizierungsworte aus, die bei Facebook und Blogspot alle Nase lang eingegeben werden müssen? Die letzten vier, die ich mitgeschrieben habe:
Jet grosse
empty 1 1/2
szilard broken
Kennecolt moderate
Auf eine merkwürdige Weise hören die sich sinnhaft an. Das ist irgendwie irritierend.


Bildquelle: http://www.welt.de/multimedia/archive/1236679200000/00769/ranicki_DW_Kultur_K_769478g.jpg

7 Tage Blitzlichter


I
Nachdem mir mein eigener Klugscheißer-Ton von letzter Woche schlaflose Nächte bereitet hat, habe ich sämtliche Posts überarbeitet. Wer mag, kann sie noch einmal lesen.

II
Die neue ZEIT ist da, Teil 1: Im Feuilleton gab es ein Interview mit drei Buchhändlern, das ich wenig zukunftsweisend, ansonsten aber interessant fand (Thema war Zukunft der Buchhandlung in Zeiten der Wirtschaftskriese anlässlich der Frankfurter Buchmesse oder so ähnlich). Besonders gut fand ich die Bemerkung über die "Besinnung auf die eigene Kompetenz" - hier besonders "unseren ästhetischen Anspruch". Sicherlich war damit in erster Linie eine Literaturästhetik gemeint, ergo Auswahl der Autoren, Themen und Editionen. Trotzdem lässt sich die ästhetische Kompetenz auch noch anders münzen: Ein Einkauf in einer ästhetisch anspruchsvollen (kleinen) Buchhandlung bleibt hängen. Und beim nächsten Mal geht man wieder dahin, und nicht zu Hugendubel. Wegen der allwissenden Verkäufer, des flauschigen Teppichs oder der knarrenden Dielen, der wandhohen Regale, der vielen schlauen Bücher, der Ruhe, des persönlichen Gefühls. Zumindest ist mein ästhetisches Erlebnis in einer kleinen Buchhandlung in etwa so. Deswegen kaufe ich auch immerzu Bücher, obwohl ich weiß, dass sie ein Jahr stehen werden, bis ich sie endlich zu lesen schaffe.

III
Die neue ZEIT ist da, Teil 2: Ein Nachtrag zur Nichtempfehlung von letzter Woche. Am Ende des Chancenteils war diesmal ein soziales Porträt der deutschen Gesellschaftsordnung in den Fünfzigern- und Sechzigern. Vielleicht werde ich meinem Dankgebet für Alice Schwarzer noch eines für Simone de Beauvoir anhängen. Oder einfach allen Frauen der letzten hundert Jahre danken dafür, dass sie uns so viele Möglichkeiten und so ein gutes Leben verschafft haben.



Bildquelle: http://www.art-magazin.de/asset/Image/KUNST/Ausstellungen/wack-newyork/Rosler_Body-Beautiful_ar.jpg

Empfehlung: Hörbücher


Oliver Steller
Oliver Steller ist studierter Musiker und produziert seit Jahren mit seiner dreiköpfigen Band Literaturinterpretationen. Dabei vertont er nicht nur auf geniale Art und Weise Gedichte und Texte, sondern komprimiert auch Lebensläufe auf sinngebende und spannende Weise. Meine Lieblings-Produktion ist "Oliver Steller spricht und singt Rilke. Zwischen den Sternen. Leben - Gedichte - Briefe".
Live sind die Programme sogar noch besser als auf CD - dank Stellers unglaublicher Stimme, die bestimmt nicht nur auf mich eine fast peinlich magische Wirkung hat. Zum Glück für alle deutschsprachigen Erdenbürger geht Steller in diesem Herbst, zum größten Teil mit seinem Heinrich Heine-Programm, auf Tour (in Düsseldorf und Lich gibt es aber auch Rilke zu hören). Wer Zeit und Geld hat, dem sei ein Abend mit "Poesie&Musik" mehr als empfohlen.

Max Goldt
"Nicht jede kalte Säge schafft es nach New York" klingt so, wie sich der Titel anhört. Zwei CDs mit Gedanken zur (Pop-)kultur, live gelesen von Pseudonymträger Max Goldt. Auch Goldt hat eine eigenartig besondere Stimme, die in Kombination mit den Texten zum dauernden Lachen reizt und aus "kalte Säge" garantiert kein Einschlaf-Hörbuch macht.

Laura Naumann
Schon wieder. litradio. Das tut mir leid, aber auf der Seite lagern Hörschätze. Laura Naumann ist Studentin in Hildesheim und hat Texte beigesteuert, die nicht Ohne sind. Zwar klingen sie sehr nach dem, was jüngere Hildesheimer Schreiber oft zu bieten haben - betonte Eigenartigkeit ("Bier und Kekse") und, je nach seelischer Empfindsamkeit des Lesers, alles- oder nichtssagende, (be)deutungsoffene Sätze. Trotzdem ist "keine liebesgedichte" irgendwie gut. Vielleicht, weil die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Textfragmenten nicht ganz klar sind und zum Rätseln anregen. Vielleicht, weil die sprechenden Personen unlogisch genug sind. Vielleicht, weil ich heimlich eine empfindsame Seele bin.


Bildquelle: http://www.research.utoronto.ca/wp-content/uploads/child_listen_music.jpg

7 Tage Blitzlichter


I
Elke Heidenreich hat eine Lücke in der Fernsehlandschaft hinterlassen, die jetzt fleißig gestopft wird. Zum Beispiel mit Christine Westermann und der west.art Büchersendung auf dem WDR. Wer die Premiere, wie ich, verpasst hat, kann sich hier Videos anschauen. Leider bin ich dzu noch nicht gekommen. Über Meinungen zur Sendung freue ich mich aber trotzdem.

II
Meine Lieblings-Literatur-Plattform litradio.net hat ein Gespräch mit Ulrich Holbein online gestellt. Die tatsächlich weisen Worte des leicht durchgeknallten Mannes sind unter diesem Link anhör- und kostenlos downloadbar. My humbled opinion zum Uli gibt's hier.

III
Ich wünsche euch eine schöne Woche. Als Kickstart gibt es den besten Satz, den ich in letzter Zeit gelesen habe:
A man who can't picture a horse galloping on a tomato is an idiot
Gefunden im Dolly Bird-Blog. Für weniger Begründungszwang und mehr Irrationalität im Leben!


Bildquelle: http://4.bp.blogspot.com/_zt3mxcJ8cWM/Srkqe7Ahl9I/AAAAAAAAAgw/tlhKLxNKNTA/s200/horse+on+a+tomato.png

Magazin Watch


Qvest
Les Mads haben schon über die neue Qvest geschrieben und sie für mangelhaft befunden. Da war ich natürlich gespannt und habe das erste Mal eine Ausgabe in kürzester Zeit komplett durchgeharkt. Und tatsächlich hinterlässt die Qvest No. 38 eine Art gähnende Langeweile. Im Editorial fordern die Herausgeber zum Blättern auf - etwas Spannendes zu bieten haben sie aber nicht. Mir fehlte sowohl eine nachvollziehbare Anordnung der Beiträge, die Grundlage genüsslichen Blätterns, als auch ein Oberthema, wie es bei den vorangegangenen Qvestheften eines gab. Die No. 38 lädt leider leider nur zum nebensächlichen Blättern in einem nebensächlichen Heft ein.

Brigitte
Der Aufreger bei Exclusiv-Weekend: Brigitte verzichtet auf "Magermodels". Huch? Klügster Satz des RTL-Beitrags: "Die dünnen Models entsprechen nicht der Realität der Frauen [die Brigitte lesen (Anm. d. V.)]."
Da gab es neben positiven Rückmeldungen natürlich auch die altbekannte "Entwerfen für Dünne ist einfacher, weil sie alles tragen können"-Ausrede. Seit Jahren stelle ich mir dann die Frage, ob die Designer denn nicht talentiert genug sind, für "Kurvige" zu entwerfen? Keine Lust auf eine "Heraudforderung"? Die Beziehung dünne Kundinnen <-> dünne Kleidung <-> dünne Models ist sicherlich einfacher zu durchbrechen als angenommen. Denn als Rückschluss der Ausrede von oben müsste ja gelten: Was "normalen" Frauen steht, steht den dünnen erst recht. Warum dann nicht in Größe 38 schneidern?
Ich finde den Ansatz der Brigitte weder revolutionär, noch vergeblich, sondern einfach konsequent und mutig. Zu dem Thema möchte ich aber auch gesagt haben, dass eine Beth Ditto genauso wenig geeignet als Mode- und Körpervorbild ist wie eine Kate Moss. Was letztendlich für eine Frau gesund ist, entscheiden meiner Meinung nach individuell Biologie und Körpergefühl.
Die Brigitte macht einen guten Schritt hin in Richtung Realität. Einen Schritt voraus war zu dem Thema Zana von Garbage Dress.



Bildquelle: http://www.theselby.com/4_29_09_julia_roitfeld/pages/image1.html

Nichtempfehlung


D.K. Winslow - Die Kunst, die Hosen anzubehalten

Okay. Erscheinungsjahr ist 1962. Ich habe es als Scherz-Geschenk bekommen. Aber mein Gott, wofür brauchte ein Mann in den 60ger Jahren einen Eheratgeber, um die Hosen in der Beziehung anzubehalten? Ich weiß von meiner Mutter, dass meine Großmütter in den 60gern weder eigene Konten haben, noch selbstständig Geld ausgeben durften. Als hätte seine Frau irgendeine Chance außer Psychoterror gehabt, um auch nur in die Nähe der Ehe-Hosen zu kommen. Winslow behauptet, der Psychoterror sei die Natur der Frau, und dagegen gelte es vorzugehen. Mit Tips wie: nach einem Streit auf dem Sofa schlafen, denn ohne Mann im Bett könne eine Frau keine Ruhe finden und werde sich als Erste entschuldigen... Ich weiß nicht ganz, ob das Buch nicht auch ironisch gemeint ist. Aber selbst wenn da ein Augenzwinkern im Text ist, werde ich ab jetzt Alice Schwarzer jeden Abend einen Dankgebet widmen.


Bildquelle: http://www.pfeifenkonsulat.at/shop/bilder/produkte/normal/1728_1.jpg

14 Tage Blitzlichter


I
Ich bin aus Krakau wieder zurück. Wäre aber lieber dort.


II
Die Kulturredaktion der Vogue Deutsch empfiehlt in ihrer monströsen Oktober-Jubiläums-Ausgabe (S. 386) das gleiche Buch wie ich: "Die toten Seelen" von Nikolai Gogol. Die Vogue findet es "zeitlos" und gleichzeitig "erstaunlich aktuell". Dem schließe ich mich an und füge hinzu, dass es außerdem sehr, sehr, sehr lustig ist.


III
Endlich bin ich fertig mit "Für immer in Honig" von Dietmar Dath (siehe dazu diesen Post) und es muss doch noch eines gesagt werden. 1. als "Quasseleien" würde ich die insgesamt fast 200 Seiten fassenden Theorien über den Kommunismus nicht mehr bezeichnen, sondern richtiger als Essay. Der so gut und so anspruchsvoll ist, dass ich mir ein Buch über Marx gekauft habe (obwohl Lenin sinnvoller gewesen wäre) um wenigstens ein wenig durchzublicken. 2. erscheint der Angriff der Zombies nicht mehr nur als ziemlich abgefahrene Storyline, sondern ist meiner Meinung nach auch eine gute Metapher für das, was gerade in der Welt passiert: Umbruch auf allen Kanälen - und die Fehler der Vergangenheit holen uns immer mehr ein (vielleicht bin ich da aber auch Klimadebatten- und Wahlwochenende-geschädigt). 3. Immernoch: hört euch "Für immer in Honig" kostenlos auf litradio.net an. 4. Wer ein paar bräsige aber wahre Worte über Literatur, Literaturkritik und Popkultur haben möchte, der höre sich Kapitel 31 ungefähr ab Minute 5 an.


IV
Der Kaffee-, Bionade- und Zigarettensüchtige Thomas Klupp (auch hier ein Post) hat es mit seinem Debütroman in die "Literatur im Foyer"-Sendung von SWR/3sat geschafft, und ist auf der Bestenliste sogar vor Sibylle Lewitscharoff gelandet. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Aber auch darüber, dass der verlinkte Artikel, wie ich, Klupp und Arjouni thematisch zusammengepackt hat.


V
Und nocheinmal Dietmar Dath. Neben Lenin und Marx ist Foucault ein Name, der in "Für immer in Honig" mit am häufigsten fällt. Wer sich auf diesem Gebiet schlau machen möchte und gleichzeitig zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will, dem empfehle ich im voraus schonmal "Darwin und Foucault" von Philip Sarasin. Da hat man nicht nur Foucault, sondern auch Darwin und etliche Erläuterungen zu vielen wichigen Diskursen der letzten 100 Jahre. Eine ausführliche Rezension kommt, wenn ich fertig mit Lesen bin. Nur soviel: Es wird ein Thesenpapier geben.


VI

Ja, das Internetmanifest und die Printmedien. Das hat einigen Wirbel gegeben und scheint ein Stellungskrieg zwischen zwei Parteien zu sein, die sich aber über den Graben Internet, der sie trennt, nicht hinweg verständigen können.

Für die Printmedien scheint es in erster Linie um monetäre und vielleicht arbeitsplatztechnische Gründe zu gehen – deswegen aber gleich den Vorschlaghammer so auszupacken wie mit diesem Leistungsschutzrecht ist in meinen Augen aber weder ein kluge, noch eine langfristige Lösung.

Dagegen steht das Internetmanifest, das ich in seinen Thesen unterstütze und das versucht klarzumachen, dass die Strukturen der Funktionsweise des Printmarktes einfach nicht auf das Internet zu stülpen sind, Geld und arbeitslose Printjournalisten sowie Urheberrecht hin oder her. Besonders gut finde ich in diesem Zusammenhang den Absatz 13: „Urheberrecht wird im Internet zur Bürgerpflicht“. Ich persönlich habe noch keinen seriösen Blog gesehen, der an Quellenangaben gespart hätte. Das Urheberecht ist hier nicht in Gefahr. Nur das Geld, das bei der Wiederverwendung von Texten und Bildern rumkommt.

Was ich sehe ist ein Generationenkonflikt, der kaum zu lösen ist und sich über kurz oder lang für die jüngere Generation entscheiden wird. So wie bis jetzt jeder Generationenkonflikt. Dass es dabei diesmal weniger um eine Meinungsverschiedenheit über Moral oder Lebensart zu gehen scheint sondern mehr ums Geld und um Machtstrukturen, finde ich allerdings peinlich.

Eine gute Übersicht und Verlinkung zum Thema findet sich bei Eva auf MissCreativeClassy.


VI

Und ein letztes: Auf möglicherweise vorhandene Leselisten sollte genau jetzt "Zimmer voller Freunde" von Stefan Mesch eingetragen werden. Der Roman ist noch nicht erschienen, aber ein Auszug ist in der letzten BELLAtriste zu finden. Ich ZENSIERT und empfehle "Zimmer voller Freunde" wärmstens. Ein großartig komponiertes und geschriebenes Buch über jugendliche (und ein bißchen erwachsene) Verwirrungen. Und eine der wichtigsten Figuren heißt Stoff - nochmal großartig. An Stefans Schreibe kann man sich aber auch hier schon ganz gut erfreuen.



Zitate aus: Vogue Deutsch, Oktober 2009, S. 386
Bildquelle: http://www.outpost-daria.com/artwork/sc/daria_darko.jpg